Für viele Menschen beginnt der Urlaub mit dem Kofferpacken. Für mich beginnt er viel früher – nämlich mit dem Versuch, möglichst genau zu wissen, was mich erwartet.
Ich bin neurodivergent. Unbekannte Orte können für mich wunderschön sein, aber eben auch anstrengend. Wie sieht die Unterkunft wirklich aus? Ist es dort laut? Wo kann ich mich zurückziehen? Wie läuft der Check-in ab? Gibt es einen Supermarkt in der Nähe? Solche Fragen wirken auf andere vielleicht nebensächlich. Für mich entscheiden sie manchmal darüber, ob ich mich auf eine Reise freuen kann oder schon vorher völlig erschöpft bin.
Deshalb plane ich mehr als andere. Ich schaue mir Fotos an, speichere die Umgebung in Google Maps und möchte ungefähr wissen, was an den ersten Tagen passiert. Das bedeutet aber nicht, dass ich keinen Spaß an spontanen Erlebnissen habe. Im Gegenteil. Wenn die wichtigen Dinge geklärt sind, kann ich mich viel leichter auf Neues einlassen.
Was mir unterwegs besonders hilft, sind kleine Rückzugsmöglichkeiten. Kopfhörer. Ein vertrautes Getränk. Eine halbe Stunde allein im Wohnwagen oder Hotelzimmer. Ein Essen, das ich kenne. Für andere sind das Kleinigkeiten. Für mich sind es Dinge, die verhindern können, dass aus einem eigentlich schönen Tag irgendwann nur noch Reizüberflutung wird.
Und trotzdem liebe ich das Reisen. Vielleicht sogar gerade deshalb. Neue Landschaften, das Meer, andere Sprachen, kleine Straßen irgendwo im Nirgendwo – all das kann unglaublich intensiv und schön sein.
Neurodivergent zu reisen bedeutet für mich deshalb nicht, weniger zu erleben. Es bedeutet nur, einen eigenen Weg zu finden, wie sich Abenteuer und Sicherheit miteinander vertragen.

